Wandern

Colorado Trail 2024 - Tag 5 - Der Weg zum Kenosha Pass

Über offene Wiesen und durch weite Aspen-Wälder zum Kenosha Pass — Tag fünf brachte den ersten großen Blick auf den South Park und die schneebedeckten Berge im Westen.

Bernhard··5 Min. Lesezeit
South Park

Nach dem Tag gestern mit viel Wald und dem schönen, jedoch schmalen Hochtal des Long Gulch öffnete sich heute der Blick auf den South Park und die Berge entlang der Continental Divide.

Streckendaten

Strecke
24,3 km/15,1 mi
Höhenmeter
566 m/1857 ft
Höchster Punkt
3204 m/10512 ft
Schwierigkeit
leicht bis mittel
Wetter
sonnig, bewölkt, kurzer Regen

Zwischen den Kratzspuren an den Bäumen wachte ich unbehelligt von Moose, Elchen, Bären recht früh auf. Da ich ohne Gaskocher unterwegs war, gab es zum Frühstück - wie auch in den nächsten Tagen - einfach nur ein paar kleine Snacks. Heute war wieder ein Cliff Bar dran, von denen ich leider zu viele dabei hatte, und die ich mir echt übel reinzwängen musste. Dann raus aus meiner langen Nachtunterwäsche in die etwas klammen Sachen für den Tag. Isomatte, lose Sachen, Zelt einpacken, Wasser holen am Bach und filtern, den Weg und die nächsten Stationen für Wasser checken - und das Ziel für heute war klar: Bis zum Ende des Segment 5, zum Kenosha Pass, und dort eine Übernachtung an einem öffentlichen Campground.

Baum mit Kratzspuren
Kratzspuren von Moose oder Elchen an Baumrinde

Nach einem recht gemütlichen Stück durch lichte Wälder mit Aspen und Nadelbäumen, vorbei an kleinen Bächen, ging es bald über offene Wiesen. Erste Blicke auf den South Park und die hohen Berge machten diesen Abschnitt zu einem Genuss. Unterwegs traf ich eine ältere Hikerin, die sich über einen anderen Hiker beschwerte, der wohl beim Wandern in sein Handy reingequasselt hatte. Das hatte die Dame ziemlich aufgebracht, und sie wartete daher erstmal eine Weile, um Abstand von ihm zu gewinnen. Es kamen noch ein paar Anmerkungen, dass die Hiker früher freundlicher waren etc. (sie hatte den Trail wohl vor Jahren schon einmal gewandert). Das wurde mir aber dann ein bisschen zu viel “früher war alles besser”, und da ich in guter Stimmung war, verabschiedete ich mich freundlich. Ich hoffe, sie konnte aus diesem Groll wieder aussteigen und hatte noch einen schönen Hike auf dem CT.

Wiesen und Wälder
Ein Blick zurück in Richtung Long Gulch

Die Blicke zum South Park öffneten sich immer mehr, eine große, beeindruckende Ebene inmitten der Colorado Rockies. Wer bei South Park an die Cartoon-Serie denkt, liegt übrigens gar nicht so falsch. Einer der Macher der Serie wuchs in Conifer auf, welches in der Nähe des South Parks liegt. Die Gegend soll für gelegentliche UFO-Stories bekannt sein… Die Ebene ist geologisch eine Synklinale, also durch eine Stauchung der Gesteinsschichten während der Bildung der Rocky Mountains entstanden. Die tief nach unten gebogenen Schichten wurden dann von Sedimenten der umliegenden Berge gefüllt.

Wanderschuhe und Blick in die Ferne
Modisch bunt unterwegs am Rande des South Parks

In historischen Zeiten war dies ein beliebtes Gebiet für die American Natives, die Utes und später die Arapahoes. Da sich hier auch sehr gut Rinder halten ließen, und dazu 1859 noch Gold gefunden wurde, wurde es auch hier mitten im 19. Jahrhundert immer enger für die Natives, und sie mussten bald diese für sie wertvollen Jagdgebiete für Büffel verlassen (und auch die Büffel waren bald Geschichte).

Am tiefsten Punkt des Tages - der Rock Creek - gab es eine schöne Pause, natürlich schön die Füße gekühlt, Hut und T-Shirt ein bisschen ausgewaschen. Was hier noch passiert ist, erzähle ich unter “Tipps und Erfahrungen” weiter unten. Es war gut warm, eine stärkere Bewölkung kam auf, und auf dem Weiterweg gab es einen kleinen Moment mit Regen. Nun auch wieder ein etwas stärkerer Anstieg, und die Fernblicke, auch zu den schneebedeckten Bergen der Moskito Range im Westen, wurden immer schöner.

Blick auf Hochebene und Berge
Blick auf den South park mit Jefferson, die Moskito Range am Horizont

Zuletzt dann ein längerer aber sanfter Abstieg, teilweise durch spektakuläre Aspen-Wälder. Wie muss das wohl im Herbst aussehen, wenn sich die Blätter färben! Aber auch jetzt war es großartig, zwischen den Aspen viele Wildblumen und riesige Pilze. Schließlich war der Kenosha Pass erreicht. Zuerst ging es über eine alte, verlassene Bahnlinie der Denver, South Park and Pacific Railroad, die das Gebiet mit Denver verband (das war genau die Linie, die zu Beginn des CT durch den Waterton Canyon führt), anschließend über den gut befahrenen U.S. Highway 285.

Aspen Bäume
Wanderung durch einen Aspen-Wald

Auf der anderen Seite der Straße dann der Campground, ich war heute schon um halb fünf am Ziel des Tages. Daher gab es genug Zeit und Gelegenheit, mich ein bisschen zu frisch zu machen (Wasser gab es genug, Seife und kleines Waschtuch, Nassrasierer hatte ich dabei), und den Abend zu genießen. Und ja, auch nach fünf Tagen mal wieder gediegen auf einer Toilette zu sitzen…

Am Eingang des Campgrounds gab es eine kleine Trail Magic, ein netter Kerl im Hippie-Style hatte dort seinen Wohnwagen. Er verdiente sich wohl sein Geld mit Sammeln von Pilzen, die er für gutes Geld an teure Restaurants verkaufen konnte. Für die Hiker bot er Früchte an, auch ein Bier hätte ich haben können. Ich blieb bei einem Apfel und ein paar sehr leckeren Kirschen.

Schmetterling
Ein 'Neuweltlicher Linienschwärmer'

Etwas schockiert war ich über den Verkehr auf dem Hwy 285. Zeitweise kam es hier am Abend zu völligem Stillstand in Richtung Denver. Die Region hier ist wohl ziemlich gut besucht an Wochenenden. In Richtung Arkansas kann man schön Rafting betreiben. Mountain Biking, Wandern, Angeln, oder einfach nur am Trailer abhängen und grillen, das zieht viele Menschen an. Ich war ganz froh, dass heute Sonntag war und der Trubel schon weitgehend vorbei.

So war dies ein schöner Abschluss einer ersten großen Etappe auf dem Colorado Trail, denn morgen sollte es den ersten “Stadtbesuch” in Jefferson geben, und mit den nächsten Abschnitten würde der Trail mehr und mehr in die höheren Regionen der Colorado Rockies übergehen. Ich war schon sehr gespannt und dankbar für alles, was ich jetzt schon erleben durfte.

Tipps und Erfahrungen

Ein kleines (Fast-)Malheur war mir am Rock Creek passiert. Ich stand knapp neben dem Trail im Gras, und schaute ein bisschen den Bach und die Landschaft an. Eine Hikerin kam vorbei, und da es hier etwas eng war, trat ich einen Schritt zur Seite. Was ich im hohen Gras nicht gesehen hatte war, dass es zum Bach hinunter so kleine Rinnen gab, die sich in das kleine Plateau eingegraben hatten. Hätte ich vielleicht 10 cm weiter meinen Schritt zur Seite gemacht, wäre ich in so eine Rinne getreten und mit Sicherheit vielleicht zwei Meter tief inkl. Rucksack auf dem Rücken in den Bach gefallen.

Das hätte gut, oder auch weniger gut ausgehen können. Ich musst jedenfalls kurz mal tief durchatmen. Und im nachhinein der Gedanke - auch eine scheinbar harmlose Umgebung kann so ihre kleine Tücken haben. Also - vor lauter Freundlichkeit niemals die eigene Sicherheit vergessen…!

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Geschrieben von
Bernhard

Schreibt über Musik, Reisen, Wandern, Natur und Gedanken.

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